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Die Wüstung Offenhausen
(Joachim Hübner)

 

SchleensteinkarteDie aufgegebene Dorfstelle Offenhausen - eine mittelalterliche Wüstung mit Kirche - lag in der sog. Finkenburg, einem von Westen kommenden Seitental des Emstales. Etwa 80 m nördlich des Baches am Oberhang, dicht südlich des Grundstückes Buchholzstraße 25 im Ortsteil Sand, auf einer kleinen natürlichen Anhöhe im Wiesengelände, konnte Dr. Klaus Sippel vom Landesamt für archäologische Denkmalpflege 1994 den Standort der Kirche und des Friedhofes lokalisieren. Die Dorfstelle dürfte südöstlich unterhalb am Hang im Wiesengelände gestanden haben.

Nach dem historischen Ortslexikon für Kurhessen von Heinrich Reimer - nach wie vor das Standardwerk für urkundliche Überlieferungen mittelalterlicher Siedlungen - wurde Uffanhusun erstmals Anfang des 11. Jh. erwähnt. In dem 1990 erschienen Werk über Siedlungsnamen in Hessen datierte der Sprachwissenschaftler Klaus Andrießen die Ersterwähnung der Wüstung Offenhausen dagegen in den Zeitraum von 826 - 876. Er beruft sich dabei auf das in den Mönchslisten und Traditionen des Klosters Corvey genannte Uffenhus(un). Träfe dies zu, gehörte Offenhausen zu den Siedlungen, die im Zuge des vom karolingischen Königshaus geförderten Landesausbaues im nördlichen Hessen entstanden sind.

Offenhausen heuteNach brieflicher Auskunft von Dr. Ulrich Ritzerfeld vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg handelt es sich bei dem in den älteren Corveyer Traditionen belegten Uffenhusun aber um Offensen, einen Ortsteil der niedersächsischen Stadt Uslar. Für die Wüstung Offenhausen wird man deshalb an dem von Reimer genannten Erstbeleg (Anfang des 11. Jh.) festhalten müssen.

Im Jahre 1209 besaß das Fritzlarer Petersstift Einkünfte aus Grundbesitz im Dorf Offenhausen. 1242 schenkten die von Schartenberg, Graf Ludwig von Wildungen, die Grafen von Bilstein und Graf Hermann von Schaumburg jeder sein Viertel am Dorf Offenhausen dem Kloster Merxhausen. Ein Jahr später wurde dem Kloster die Pfarrei Offenhausen durch Erzbischof Siegfried von Mainz einverleibt. Das Patronat (= Rechte des Stifters einer Kirche) besaß das Kloster schon früher.

1357 und noch einmal 1386 wird Offenhausen als landgräfliches Dorf bezeichnet. Friedrich von Hertingshausen erhielt Offenhausen 1385 vom hessischen Landgrafen für eine Schuld von 950 Gulden versetzt. 1437 ist Offenhausen bereits wüst und gehörte bis 1448 zum Besitz von Reinhard von Dalwigk und von Friedrich von Hertingshausen.