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Das vergessene Grabmal des Dr. Johann Georg Schmidt.
Von Norbert Zimmermann
Nur mühsam gelingt es die Inschrift auf der eingelassenen Sandsteinplatte zu entziffern:
“Johann Schmidt Dr.- geb. 6. Mai 1769 – gestorben 16. März 1801 – In Gedenken an den Arzt und geliebten Gatten”.
Gerahmt ist die Inschrift mit zwei Äskulapstäben, dem Symbol des Berufsstandes. Als Ursache seines frühen Todes wird im Kirchenbuch von Riede eine auszehrende Krankheit angegeben.
Weiter heißt es dort, dass Schmidt zwar in Gudensberg wohnhaft gewesen war, jedoch drei Wochen vor seinem Tod, schon krank, zu seinem Schwiegervater dem Schreinermeister Johann Henrich
Ritter nach Riede gezogen war. Er hinterließ 32jährig Frau Katharina geb. Ritter und die einjährige Tochter Karoline Henriette. Johann Georg Schmidt wurde in Elbenberg bei Naumburg geboren.
Nach dem Studium der Medizin in Marburg ließ sich Dr. Schmidt als praktischer Arzt in Elbenberg nieder. Auf Empfehlung des Hospitalobervorstehers in Haina, von Stamford, wird Dr.
Schmidt vom Landgrafen 1797 zum Arzt für Arzneikunde und Chirurgie an das Hospital Merxhausen berufen. Ein Jahr nach seinem Tod 1802 wurde ihm auf dem damals noch in der Ortsmitte gelegenen Totenhof in Riede
ein Grabmal gesetzt. Zu jener Zeit war es üblich, jung Verstorbene mit einem besonderen Grabmal zu ehren. Das Grabmal des Dr. Schmidt jedoch geht über die damals üblichen Größen und Gestaltungsformen
hinaus. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Person des Auftraggebers und zum anderen in der Person des ausführenden Bildhauers.
Den Auftrag für das Grabmal gab nicht die Familie des Dr. Schmidt, sondern der in Riede ansässige begüterte Landrat
Heinrich von Meysenbug. Dies als Dank für Schmidts segensreiche ärztliche Tätigkeit, aber auch, wie Quellenhinweise vermuten lassen, als Dank für eine Patenschaft, die Dr. Schmidt für den
ledigen von Meysenbug über- nommen hatte. Die Gestaltung und Ausführung des Grabmals übertrug v. Meysenbug dem Kasseler Bildhauer Johann Christian Ruhl, an den eine nach ihm benannte Straße in
Kassel erinnert. Ruhl besuchte ab 1777 als dreizehnjähriger die Kunsthochschule in Kassel. Im Jahre 1786 konnte er dank eines von Landgraf Wilhelm IX gewährten Stipendiums in Paris und Rom seine
Kunststudien fortsetzen. Von dieser Reise zurückgekehrt, unterrichtete Ruhl ab 1791 an der Kasseler Kunstakademie. In der Folgezeit war er mit der plastischen
Ausschmückung des Schlosses Weißenstein beschäftigt. Für die Löwenburg arbeitete Ruhl Möbel und den landgräflichen Sarkophag. Im Jahre 1806 wurde Ruhl zum Professor der Kunstakademie ernannt. Bis zu
seinem Tod 1842 fertigte er, dem Geschmack der Zeit entsprechend, zahlreiche Reliefs, Büsten und Grabmäler in Kassel, Göttingen und Umgebung.
Für Riede sind vier Arbeiten Ruhls nachgewiesen, die sämtlich von Landrat
Heinrich von Meysenbug in Auftrag gegeben wurden. Drei der Arbeiten fanden in dem nach englischem Vorbild gestaltetem Landschaftspark im Wald von Riede Aufstellung. Auch der von Ruhl gezeichnete Entwurf zum
Rieder Grabmal ist erhalten und befindet sich in der grafischen Sammlung von Schloß Wilhelmshöhe. Dieser Entwurf ist mit wenigen Abweichungen als Grabmal für Riede realisiert worden. Das auf der Zeichnung
abgebildete tränenförmige Urnengefäß fehlt. Die Gestaltung des Grabmals orientierte sich an der Form jüdischer Brandopferaltare aus vorchristlicher Zeit.
Das Grabmal in Riede ist Beispiel hoher klassizistischer Friedhofskultur
und das Werk eines Bildhauers, der in unserer Region hohes Ansehen besaß. Die Restaurierung des Grabmals und die Gestaltung eines würdigen Umfeldes erscheint als vornehme Aufgabe.
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